Regenbogen Filmfestival in Vechta

Regenbogen Filmfestival in Vechta

Datum 18.09.2020
Beginn 17:00 Uhr
Adresse

Das Regenbogen-Filmfestival findet im Schauburg Cineworld Kino in Vechta statt. Der Eintritt ist frei. Plätze können im Kino im Vorfeld online oder im Kino reserviert werden. Für Online-Reservierungen fällt eine Servicegebühr von 1,- EUR an.

Schauburg Cineworld
Kolpingstraße 29
49377 Vechta

Webseite https://regenbogen-filmfestival.jimdofree.com/

Ein kultureller Höhepunkt im Oldenburger Münsterland soll das Regenbogen-Filmfestival werden. Nachdem in der ersten Jahreshälfte 2020 das kulturelle Leben durch den Corona-Lockdown weitgehend zum Erliegen gekommen war, präsentieren wir im Herbst drei Tage lang  in Vechta ein abwechslungsreiches Kinoprogramm mit Spielfilmen, die die Lebensrealität lesbischer, schwuler, trans*- und inter*geschlechtlicher Menschen zum Thema haben.

Queere Filmkultur im Oldenburger Münsterland

In den letzten Jahrzehnten haben schwule und lesbische Lebensweise zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Mit der Einführung der „Ehe für alle“ 2017 erscheint vielen eine Gleichstellung erreicht. Trotzdem ist queeres Leben in kleinen Sädten und auf dem Land noch immer wenig sichtbar. Aber Lesben, Schwule, trans* und inter* Personen gibt es nicht nur in Berlin oder Bremen. Wir möchten mit dem Festival zur Sichtbarkeit  in Vechta und im Oldenburger Münsterland beitragen und queere Lebensrealitäten im Film zeigen.

 

Ergänzend gibt es jeden Abend ein thematisch passendes Podiumsgespräch mit interessanten Personen, vor allem aus der Region. Mir möchten, dass Vechta ein lebenswerter Ort für queere Menschen ist und möchten die Vielfalt und Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen, geschlechtlichen Identitäten und Körperlichkeiten im Miteinander vor Ort fördern.

 

Das Programm des Regenbogen-Filmfestivals unterscheidet sich konzeptionell und inhaltlich von dem Programm gewerblicher Kinobetriebe. Im Filmprogramm wie auch in den begleitenden Diskussionsrunden versucht das Festival, aktuelle gesellschaftliche Debatten aufzugreifen: Wir wollen nicht nur informieren, sondern zu aktuellen Diskussionen auch beitragen.

 

Wir laden die Menschen in unserer ländlichen Region – ganz egal welcher sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität Körperlichkeit   – herzlich ein, gemeinsam die Filme zu erleben, und einen Raum zum Austausch und Kennenlernen zu haben. Wir möchten ein Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz in unserer Region setzen und zusammen feiern.

 

Das Filmfestival wird von einem losen Bündnis von Gruppen und aktiven Einzelpersonen organisiert, die sich in Vechta dafür engagieren, dass das Oldenburger Münsterland eine vielfältige Region und eine lebenswerte Heimat für lesbische, schwule, trans*- und inter*geschlechtliche Menschen ist. Wir verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen. Der Eintritt zu den Filmen ist kostenfrei (für Online-Reservierungen fällt eine Servicegebühr von 1,- EUR an).

 

 

DAS PROGRAMM

Alle Filme in der Übersicht


Freitag, 18.09.2020

Kenia | 2018 | FSK 12 | Regie: Wanuri Kahiu

 

mit Samantha Mugatsia, Sheila Munyiva |82 Min.

Rafiki * 17.00

„Good Kenyan girls become good Kenyan wives“ – dieser Satz des fanatisch-homofeindlichen Predigers der örtli-chen Kirche zeichnet den Lebensweg, der eigentlich für Kena und Ziki, Kinder zweier rivalisierender Lokalpolitiker*innen, von Gesellschaft und Familie vorbestimmt ist. Doch Kena und Ziki verlieben sich ineinander. Ihre Liebe wächst im Geheimen, sie inspirieren sich gegenseitig und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Aber Verrat und Gewalt zwingen sie, sich zwischen Glücklichsein und Sicherheit zu entscheiden.Mit viel Farbe, unerwartet, einfühlsam und gleichzeitig politisch holt der Film dabei die Vorstellung von vermeintlich „dem afrikanischen Film“ aus der europäischen Erwartungsschublade. Rafiki bedeutet in Swahili „Freund*in“ und bezeichnet in Kenia auch eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Der Film, der unter großen Risiken für alle Beteiligten entstand, wurde in seinem Entstehungsland sofort verboten, denn Homosexualität ist dort strafbar und wird mit bis zu 14 Jahren Haft geahndet.

Futur 3 * 20.00

Parvis wächst als Kind der Millenial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner Iranischen Einwanderer-Eltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er sich durch Popkultur, Grindr-Dates und Raves zu entziehen. Nach einem Ladendiebstahl leistet er Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete. Dort trifft er auf das iranische Geschwisterpaar Banafshe und Amon. Zwischen ihnen entwickelt sich eine fragile Dreierbeziehung, die zunehmend von dem Bewusstsein geprägt ist, dass ihre Zukunft in Deutschland ungleich ist.

In seinem autobiographischen Regiedebüt erzählt Faraz Shariat, Jahrgang 1994, authentisch und zugleich wundersam überhöht vom queeren Heranwachsen eines Einwanderersohns in Deutschland – und liefert damit einen entschlossenen Gegenentwurf zu einem konventionellen deutschen Kino, in dem post-migrantische Erlebnisse und Geschichten von Einwanderern und ihrer Familien allzu oft ausgeschlossen oder misrepräsentiert werden. Für sein sensibles, pop-affines und kraftvolles Plädoyer für Diversität wurde „Futur Drei“ beim First Steps Award 2019 als Bester Spielfilm ausgezeichnet, Shariats junges Darsteller*innen-Ensemble (Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali, Benjamin Radjaipour) erhielt den Götz-George-Nachwuchspreis. Auf der Berlinale, wo der Film im Panorama seine Weltpremiere feierte, wurde „Futur Drei“ mit zwei Teddys (Bester Spielfilm, Leser*innen-Preis) geehrt. (

Deutschland | 2020 | FSK 16 | Regie: Faraz Shariat

 

mit Benjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali  |92 Min.

Gespräch „Queer im fremden Land“

Im Anschluss an den Film „Futur 3“ berichten Aktive aus der Bremer Gruppe „Queeraspora“ über das Leben als queere geflüchtete Personen in Deutschland, Alltagsrassismus und Diskriminierungserfahrungen.  Die Queeraspora ist eine Selbstorganisation von queeren Geflüchteten, Migrant*innen bzw. Black people/of color, die sich regelmäßig zu Empowerment und gegenseitige Unterstützung trifft.


Samstag, 19.09.2020

The Garden Left Behind * 17.00

Tina lebt gemeinsam mit der Großmutter in New York. Sie haben keine Aufenthaltserlaubnis und werden durch Tinas Job als Ta-xifahrer*in über Wasser gehalten. Als Tinas Freundin* Rosie zusammengeschlagen wird, beginnt Tina sich für die Rechte von trans* Personen einzusetzen und kämpft parallel selbst um die Möglichkeit, die Transition zu beginnen. Der Film wurde durch die Unterstützung von verschiedenen Organisationen und einer Crowdfunding-Aktion ermöglicht. In ihm wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Besetzung gelegt: Alle trans* Rollen werden von trans* Personen verkörpert und Schauspieler* innen der Latinx Community werden zu Erzähler*innen ihrer eigenen Geschichte(n).

USA | 2019 | FSK ungeprüft | Regie: Flavio Alves

 

mit Carlie Guevara, Michael Madsen, Ed Asner  | 88 Min.  OmU

Gespräch „Trans*“

Im Anschluss an den Film „The Garden Left Behind“ findet ein Gespräch mit trans*geschlechtlichen Personen über das Leben als trans* Person in der Region, das Engagement für gesellschaftliche Anerkennung und gegen Ausgrenzung und Pathologisierung und Unterstützungs- und Beratungsangebote statt. Zur Einstimmung auf den Film „Eine Fantastische Frau“ berichtet eine Person aus der Bremer Gruppe „Queeraspora“ über die Situation von trans* Personen in Lateinamerika.

Eine Fantastische Frau * 20.00

Marina und Orlando lieben sich und planen eine gemeinsame Zukunft. Sie arbeitet als Kellnerin und singt leidenschaftlich gern, der 20 Jahre ältere Geliebte hat ihretwegen seine Familie verlassen.

Als die beiden nach Marinas Geburtstagsfeier nach Hause kommen, bricht Orlando plötzlich zusammen und reagiert nicht mehr. Im Krankenhaus können die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen.

Die Ereignisse überschlagen sich: Marina sieht sich mit den unangenehmen Fragen einer Kommissarin konfrontiert, Orlandos Familie begegnet ihr mit Wut und Misstrauen. Seine Noch-Ehefrau schließt sie von der Beerdigung aus, die gemeinsame Wohnung soll sie möglichst rasch verlassen. Marina ist eine Transgender-Frau, und erlebt jetzt die Trans*Feindlichkeit der Familie des Verstorbenen. Mit der gleichen Energie, mit der sie früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben, pocht Marina nun erhobenen Hauptes auf ihr Recht auf Trauer. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge – fantastische – Frau.

Chile, USA, Deutschland, Spanien | 2017 | FSK 12 | Regie: Sebastián Lelio

 

mit Daniela Vega, Francisco Reyes, Aline Kuppenheim, Nicolas Saavedra | 104 Min.


Sonntag, 20.09.2020

Frankreich | 2018 | Dokumentarfilm | Regie: Floriane Devigne

  58 Min. OmU

No Box for Me * 17.00

Rund 1,7% aller Menschen werden Intersex geboren, das heißt, sie weisen sowohl weibliche als auch männliche biologische Geschlechtsmerkmale aus. Medizinische Prozeduren, welche an Intersexpersonen oft schon kurz nach der Geburt vollzogen werden und ihren Körper „normalisieren“ sollen (bevor überhaupt ein eigenes oder elterliches Verständnis möglich ist) stellen auch weiterhin ein gesellschaftliches Tabuthema dar. Im Fokus des Filmes steht die Soziologiestudentin Deborah, die als Betroffene ihre Abschlussarbeit über Intersexualität schreibt und in Kontakt mit der ebenfalls betroffenen M. tritt. Diese hat Schwierigkeiten mit der Intersexualität sowie dem vorgenommenen medizinischen Eingriff umzugehen. Zusammen reflektieren sie über ihre Alltagserfahrungen, im öffentlichen wie privaten Leben, und den Umgang mit diesen. Sie versuchen so eine neue Wahrnehmung auf Identität wie Körper zu erlangen. NO BOX FOR ME stellt eine intime Dokumentation über ein wichtiges Thema dar, welches aus dem binären Geschlechterraster herausbricht. Ein Film, der trotz des schwerwiegenden Themas einen offenen und herzlichen Ton aufweist und somit zum Verständnis dieser Thematik in der breiten Öffentlichkeit beiträgt.

Gespräch „Inter*“

Im Anschluss an den Film „No Box for Me“ berichtet Ursula Rosen vom Verein „Intersexuelle Menschen e.V.“ über die Erfahrungen, die Eltern intergeschlechtlicher Kinder im Medizinbetrieb machen und den Kämpfen um körperliche Unversehrtheit und gesellschaftliche Anerkennung von inter* Personen.

Mit freundlicher Unterstützung durch den AStA der Uni Vechta.

Großbritannien | 2014 | FSK 6 | Regie: Matthew Warchus

 

mit Bill Nighy, Imelda Staunton, Dominic West | 120 Min.

Pride * 20.00

Die sympathische Komödie „Pride“ erzählt die Geschichte von streikenden Bergarbeitern, die unverhofft Unterstützung von schwulen und lesbischen Aktivisten aus London bekommt.

Die britische Premierministerin Margaret Thatcher führt im Sommer 1984 einen erbitterten Kampf gegen die Gewerkschaft der Minenarbeiter, die gegen die Privatisierung und Schließung der Minen streiken. Da kommt Hilfe von unerwarteter Seite. Die Initiative „Lesbians and Gays Support the Miners“ (LGSM) sammelt Geld, um die Streikkasse zu unterstützen. Doch die Nationale Union der Minenarbeiter hegt allerlei Vorurteile und will davon nichts wissen. Daraufhin entschließt sich eine kleine Gruppe, angeführt von Buchhändler Mike (Joseph Gilgun) und dem Aktivisten Mark (Ben Schnetzer), direkt in ein walisisches Dorf zu fahren, um dort die Spenden zu übergeben. Zwar stößt man auch hier auf Vorurteile und teils Ablehnung, der Großteil der Dorfgemeinschaft nimmt die Unterstützer aber gastfreundlich auf, allen voran der etwas schüchterne Cliff (Bill Nighy) und die resolute Hefina (Imelda Staunton). Aber auch der lokale Anführer der Streikenden, Dai (Paddy Considine), ist begeistert und setzt sich für eine intensive Zusammenarbeit ein.

Text und Bild: Veranstalter*in