50 Jahre Stonewall und was seither passiert ist

Im Juni 1969 ist in einer kleinen Bar im New Yorker Greenwich Village Geschichte geschrieben worden. Bis dahin war es für Homo- und Transsexuelle Alltag, in Angst vor der Polizei, deren Razzien mit darauffolgenden Erniedrigungen und Verhaftungen zu leben. Es gab kaum sichere Orte, an denen sie ihre Persönlichkeiten ausleben konnten, nur kleine versteckte Kneipen und Bars, immer misstrauisch, wenn neue Gesichter zur Tür hereinkamen.

Am 28. Juni war es anders: Die Barbesucher*innen des Stonewall Inn in der Christopher Street ließen die Razzia nicht mehr über sich ergehen, sondern standen gemeinsam gegen die Polizeiwillkür ein. Insbesondere von Menschen, die in der queeren Community besonders benachteiligt waren, also People of Colour, Sexarbeitende und/oder Trans*Menschen, ging die Initiative aus. Man stand gegen die bis dahin übermächtig erscheinende Polizei auf und wehrte sich erfolgreich.

Aus diesem Aufstand entstand eine weltweite Bewegung für Gleichberechtigung. Bereits ein Jahr danach zogen zahlreiche Homo- und Transsexuelle durch New York und demonstrierten für ihr Recht.

Wieder ein Jahr später, 1971, fand die erste Demonstration in Berlin statt, organisiert von der Homosexuellen Aktion Berlin. Es brauchte aber nochmal acht Jahre, bis der erste Christopher Street Day begangen werden konnte. Deshalb feiert Berlin diese Tage Jubiläum: 40 Jahre CSD.

Die Akzeptanz und das gemeinsame Miteinander unterschiedlicher Kulturen in einer Gesellschaft ist zwar im Lauf der letzten 50 Jahre gewachsen, aber noch lange nicht dort, wo sie sein soll. Der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, wurde 1994 endgültig gestrichen, Schwule und Lesben brauchen mittlerweile kaum noch Angst zu haben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es ist möglich, zu heiraten und Kinder zu adoptieren.

Allerdings nehmen Anfeindungen und Gewalttaten gegen queere Menschen in der westlichen Welt wieder zu und die Bewegung von Menschen, die sich nicht mit dem binären Gendersystem identifizieren, wird weitreichend belächelt.

Es gibt immer noch Stimmen in der Community, dass das Erreichte verteidigt werden muss. Es gibt weiterhin die Gefahr, dass die aktuellen politischen Kräfte die Zeit wieder zurückdrehen könnten, wenn man sich nicht weiterhin zeigt und für eine vollständige Gleichstellung queerer Menschen einsteht.

Es bleibt also auch 50 Jahre nach dem Aufstand noch viel in unserer Gesellschaft zu tun.

 

Quellen:
https://www.tagesschau.de/ausland/stonewall-erinnerung-101.html

https://www.morgenpost.de/kultur/article226311891/50-Jahre-Stonewall-Wie-ein-Tag-die-Welt-veraenderte.html

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/07/50-jahre-nach-stonewall-aufstaende-new-york-berlin.html

Bildnachweis:
Jennifer Bonauer von Unsplash

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